Alexander Kluge – “Chronik der Gefühle”, akustisch

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NZZ , 2. 10. 2009

( czz ) Es ist ein Mammutwerk , welches der Filmemacher , Theoretiker und Schriftsteller Alexander Kluge im Laufe von fünfzig Schaffensjahren zu einer “Chronik der Gefühle” zusammengetragen hat. Als kaleidoskopisches Geflecht von Protokollen, Reflexionen und Schnipseln historischen Materials gewährt dieser Ansatz ein ähnlich nichtlineares Perspektiv auf das 20. Jahrhundert wie Walter BenjaminsPassagenwerk” auf das 19.

Seite an Seite mit dem Autor begibt sich Regisseur Karl Bruckmaier auf eine auditive Expedition durch jene Basisgeschichten , Lebensläufe und Schlachtenbeschreibungen , die als subjektive Erlebnisse, Reaktionen und Bewältigungen im Schlagschatten der Historiografie zirkulieren . In vierzehn Etappen werden Pfade durch das labyrinthische Material gebahnt , welche Sinnbilder abgeben für mentale , ideologische und individuelle Zustände ; “Börsencrash” , “1945″ oder “Fall der Ostimperien” lauten nur einige der Stichworte .

Aus der Fülle des Materials formieren sich Klang- Collagen , die – teils von Kluge selbst gesprochen , teils von Kollegen und Wegbegleitern ( Volker Schlöndorff , Wim Wenders ) – ein lebendiges Spektrum von Stimmen und Stimmungen erschliessen . O- Töne , Geräusche und musikalische Vignettierungen durch Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks leisten ein Übriges zur Auffächerung nuancierter Szenen .

Wie das zugrundeliegende Druckwerk verlangt auch das Hörstück vor allem Zeit : Zeit zum Hören , Zeit zur Reprise und Zeit zum Ertragen der unablässig unwägbaren Frage , ob das , was uns Kluge charismatisch erzählt , “Fakt oder Fake” sei . Fraglos zieht uns das Flimmern dieser Irritation tiefer in die “Chronik” auch unserer Gefühle hinein , als wir dies von Darstellungen eindeutig fiktiver oder faktischer Art her kennen.

  • Alexander Kluge , Karl Bruckmaier ( Regie ) – Chronik der Gefühle , 14 CD ( ca. 12 Stunden ) – BR | Verlag Antje Kunstmann 2009

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