NZZ, 3. 8. 2007
czz - Wollte man dem kurzfristigen «Capote»-Boom im medialen Wellengang um das zähe Filmportrait des Dichters (2005) einen positiven Effekt abgewinnen, so ist dieser im Hause des Kein & Aber- Verlags in handgreiflich augenfälliger und gehöriger Qualität zu finden. Zur Neuübersetzung des Erzählwerks gesellt sich Saison für Saison eine Lieferung von Audio-Aufnahmen von Truman Capotes leicht anmutenden, jedoch heimtückisch unterfütterten Skizzen. Der beiläufige Klang dieser Storys ist das literarische Pendant zur verhaltenen Phrasierung des Cool Jazz: Für beide gilt, dass die Oberfläche des Lässigen, Unangestrengten ebenso authentisch ist wie das subkutane Brodeln von explosiver Energien wie Gier, Pein und Verzweiflung. Wenn die Geschichten von «Baum de Nacht» diese schlimmen Dinge gnadenlos durchdeklinieren, so geschieht dies immer in einem unnennbaren Untergrund, über welchen der Erzähler behände tänzelt. Für deutsche Verhältnisse ist es keineswegs selbstverständlich, wie lässig die jugendlichen Stimmen von Sandra Schwittau und Daniel Brühl (unter kundiger Expertise des Rap- und Szene- Produzenten Vicente Celi) diesen Coup akustischer «Coolness» landen. Ganz anders wurde der Herausforderung begegnet, «Frühstück bei Tiffany» von Chic und Charme Audrey Hepburns zu lösen und für eine Wahrnehmung des Textes zurückzugewinnen. Der mit dem Generationsroman «Faserland» (1995) als Gallionsfigur deutscher Popliteratur gehandelte Christian Kracht kann die Rolle des Erzählers aus eigenem geben und kennt daher auch den Imperativ, Distanz zum Erzählten zu wahren. Krachts Clou ist einfach, aber effektiv: Buchstaben, ja ganze Wörter verschleifend, murmelt das Selbstgespräch des Beoachters wie selbsttätig vor sich hin. Die suggestive Vergegenwärtigung ist zu dringlich, zu dicht, um sich lange mit Glamour oder Pathos aufzuhalten.
Truman Capote: Frühstück bei Tiffany, gelesen von Christian Kracht, 3 CDs (224 Min.), Baum der Nacht, Erzählungen, gelesen von Sandra Schwittau, Daniel Brühl, 3 CDs (223 Min.), beide Kein & Aber, 2006, 2007.















aktuellste kommentare