NZZ , 6. 7. 2007

[ Neue Hörbücher ]

czz - Irgendwo zwischen Sinn und Nonsense , Erdachtem und Erlachtem haben die Geschichten , Szenen , “Fälle” und “Fallen” von Daniil Charms ( 1905 - 1942 ) ihren Weg in den Kanon des poetischen Wortspiels gefunden und lagern dort nicht allzu ferne vom Ort der grafischen und narrativen Phantasie des 2005 verstorbenen Friedrich K. Waechter . Unter dem Titel “Der Rote Wolf” erweist Diogenes seinem Hausautor mit einem kleinen Digest durch dessen Kindertexte Reverenz : Neben einer lakonischen Version der “Schöpfung” dürfen Auszüge aus dem “Anti-Struwwelpeter” ( einem schon klassischen Zeugnis der antiautoritären Konjunktur ) nicht fehlen . Das poetische Meisterstück - die mäandernde “Geschichte vom albernen Hans” - gerät in Roger Willemsens Singsang auf Traumpfade selbstvergessenen Spintisierens . Scheinbar ziel- und ereignislos kommen auch Daniil Charms’ Mini-Episoden als dezidierte Nicht- Geschichten ins Spiel : Mit tolldreistem Kling und Klang , Schlagzeug , Bläsern und allem , was sich aus - sonst braven - Instrumenten herausholen lässt , komponiert Stefan Hardt ein jubelnd schräges Hörabenteuer . Selbst beim Einsatz von Kleinkinderstimmen umgeht der charismatische Arrangeur das “Ach wie reizend !”- Kindchenschema , indem er seine kleinen Sänger zwar chorisch , doch mit leicht verrutschten Takten den Refrain von den “44 fröhlichen Zeisigen” anstimmen lässt . Rechtfertigte nicht schon die Kür dieser Produktion zum Kinderhörspiel des Jahres 2004 eine Neuauflage , so genügen schon einige Takte dieser - pardautz ! - possierlichen CD , Alles stehen und liegen zu lassen , um ganz Ohr , ganz Kind , ganz Poesie sein zu dürfen .

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