NZZ , 26. 5. 2004

[ Neue Hörbücher ]

czz - Menschen fallen herunter von Dächern oder auf ihre Nasen , vom Fleische oder unter ihren Mützen der plötzlichen Unsichtbarkeit anheim : Die als “Fälle” und “Fallen” bekannten Prosaminiaturen des Petersburger Dichters Daniil Charms ( 1905 - 1942 ) verschwistern das absurd Leichte mit dem unsäglich Schweren im Erzählton ungerührter Lakonie . Charms’ unermüdliches literarisches Spiel mit dem Messer ohne Klinge , dem der Stiel fehlt” ( Georg Christoph Lichtenberg ) schiebt schon deshalb keine schnelle Lachnummer , weil es – als antisowjetisch eingestuft – nur im Abseits entstehen konnte und lange unpublizierbar blieb . Noch Jahrzehnte – bis in die 1980er Jahre ! - , nachdem Charms in politischer Haft verhungert war , galt seine weltliterarische Literaturwelt dem Regime als suspekt . Dass es der deutsche Sprachraum besser hatte und Charms’ mokante Metaphysik hier zu einflussreicher Geltung gelangt ist , verdankt sich Peter Urban ; wenn der Übersetzer-Doyen nun auch als Stimminterpret in Erscheinung tritt , ist dies als besonderes Ereignis anzuzeigen ( und wurde im März 2004 mit dem Deutschen Hörbuchpreis prämiiert ) . Urbans trockene Diktion resümiert knapp vier Jahrzehnte Spracharbeit am Charms’schen Charme . In poetisch pointierter Pointenlosigkeit treten Absurdes und Absolutes , Leichtes und Schweres in Schwebe .

  • Daniil Charms : Fälle . Übersetzung und Lesung von Peter Urban , CD ( 55 Min. ) , Kein & Aber 2003

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