Die Kinder der Familie Mann in einem geglückten Hörbuch- Feature
Christiane Zintzen
NZZ , Bücherherbst 2007 , Sachbücher , 8. 10. 2007
Wie eine Riesenspinne umwob sich Thomas Mann mit einem Netz , in welchem sich die Fäden von Literatur und Leben , faktischen Menschen und fiktiven Figuren , Kindern und Büchern ineinander drehten . Zur Ausstellung “Die Kinder der Manns” hat der Bayerische Rundfunk einen Zyklus kompakter Audio Portraits produziert , welcher zu denken gibt über Elternschaft und Kunstschaffen , Zeugung und Kreativität .
An den Charakteren , Lebensläufen und Todesarten der zwischen 1905 ( Erika ) und Michael ( 1919 ) geborenen Nachkommen zeigt sich das Drama des begabten Kindes in je eigener Auffaltung . Gefördert viel , aber auch viel gefordert durch die Autorität des “Zauberers” und die geschwisterliche Konkurrenz , suchte Jedes auf seine Weise einen Platz an der Sonne .
Da waren die glänzenden Ältesten Erika ( “Eri” ) und Klaus ( “Eissi” ) als dekadente und politisch rentitente enfants terribles . Da waren die Sandwich- Kinder Angelus Gottfried ( “Golo” ) und Monika ( “Moni” ) , die erst spät – Golo als weltberühmter Historiker , Monika als Verfasserin von Familienmemoiren auf Kollisionskurs mit der “Tochter-Adjutantin” Erika – zu eigener Lebens- und Ausdrucksform fanden . Zuletzt die 1918 und 1919 geborenen Jüngsten , von denen Elisabeth ( “Medi” ) heiss geliebt , Michael ( “Bibi” ) gerade geduldet war .
Heranwachsend im Vorhof des Grossmeisters , herangebildet in Elite- Instituten , Reformschulen und Konservatorien , mussten sich diese Kinder unter stetiger Beobachtung fühlen : Ein sorgfältig kultivierter Familiejargon aus Kosenamen garantierte nur oberflächlich den Respekt vor dem Individuum . Keinem der “Seinen” blieb es erspart , die eigenen Züge , Namen , Plus- und Minuspunkte in den Texten und Tagebüchern des Vaters wiederzufinden . Und alle , alle verfielen sie - sei es früher , sei es spät - dem “Familienfluch” ( Klaus Mann ) der Literatur .
Schreibversuche , Lebensversuche , Fluchtversuche : Um diese sechs Schicksale vergleichbar und auf einander bezogen zu halten , haben Redaktion und Regie den knapp einstündigen Portraits eine konsequente Struktur aus Erzählung , O- Tönen und Zitaten verliehen . Wolfgang Hinzes plausible “Thomas Mann”- Stimme windet sich als roter Faden durch den biographischen Kranz . Die eigentliche akustische corporate identity erhält die Serie allerdings durch die variable Salonmusik von Esther Schöpf und Norbert Groth : Im fliessenden Changieren von Themen wie “Kein schöner Land” und “Glory, glory, hallelujah!” schwingt die Zerrissenheit dieser Familie zwischen der ( einstmals ) deutschen Heimat und dem ( amerikanischen ) Exil in jeder Sekunde mit .
Die Kinder der Manns - Von Lisbeth Exner , Uwe Naumann , Gustav Seibt u. a., 6 CDs ( 348 Min. ) , DHV / BR ( nominiert für den deutschen Hörbuchpreis 2007 )















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