NZZ , 6. 2. 2009
czz – Dandy , Poseur und bekennender Glücksspieler : Dieter Meier hat stets unter Einsatz des Kapitals seiner Kunstfigur gepokert und – gewonnen . Früh durch die Einladung zur «documenta 1972» geadelt , ist der Konzeptkünstler spätestens mit der Vergoldung von öffentlichen Alltagsobjekten ( «Le Rien en Or» ) in der Zürcher Innenstadt nachgerade omnipräsent . International kennt und nennt man Meier zusammen mit Boris Blank in der Formation Yello als Vorläufer der heute als «Techno» etikettierten sequenziellen elektronischen Tanzmusik .
Wenn ein solcher mit allen Tricks und Trucs ausgestatteter artistischer Filou sich der schönen Kunst des Schreibens widmet , erweisen die für diverse Magazine verfassten Glossen und Betrachtungen deutlich dem Dadaisten und Krimiautor Walter Serner ( 1889 – 1943 ) Reverenz , der – Jurist wie Meier – in seinem «Handbrevier für Hochstapler und solche , die es werden wollen» ( «Letzte Lockerung» , 1920 ) dem versatilen Adepten die Poetik lieferte : «Ein Gespräch , während dessen du keinen Truc lancieren konntest , wird dir nicht viel gesagt haben.»
Meiers Anekdoten, Betrachtungen und Blankvers- Reime sind in der Tat voll von solchen sprachlich-sachlich in lustvollen Übertreibungen schwelgenden «Trucs» . Sei’s die deftige Schilderung der New Yorker Klub- und Drag- Szene Anfang der Achtziger , sei’s ein barockes Bekenntnis zur Sucht- Lust des Zockens oder eine herrenreiterhafte Hommage an alte Grand- Hotels : Indem Meier , Meister der Selbstreferenz , sich stets als ironisches Figürchen einbringt , hält er das in Form und Fasson diverse Material aufs Unterhaltsamste zusammen . Wortwendig und gewandt artikulierend , spricht der bekennende Dilettant sich selber hohn und dem Hörer zum höchsten Vergnügen .
- Dieter Meier liest : Hermes Baby – 2 CD ( 140 Min. ) u. 1 DVD ( 50 Min. ) - Deutsche Grammophon 2008
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