Elsa Sophia von Kamphoevener : Radio- Scheherazade

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NZZ , 5. 12. 2008

czz – Was wahr war oder was «als ob» : Wer mochte dies entscheiden , als eine vitale Siebzigerin mit ihren orientalischen «Live»-Erzählungen das deutsche Radiopublikum eroberte . Tochter eines deutschen Militärberaters von Abdulhamid II. zu Konstantinopel , wuchs Elsa Sophia von Kamphoevener ( 1878 – 1963 ) in einer polyglott- pittoresken Welt zwischen Palast und Basar , orientalischen Reizen und okzidentaler Bildung heran . Als der Süddeutsche Rundfunk die «Baronin» 1951 entdeckte , lagen vier Ehen , ein gescheiterter Verlag , der Einsatz als «Kamerad Märchen» unter Frontsoldaten und die ausgebombte Berliner Existenz hinter ihr . Über all dies fiel – beginnend mit der fulminanten Probe- Session im Stuttgarter Tonstudio bis zu den Aufnahmen praktisch aller Sender – kein Wort : Mit dem Radio hatte die «preussische Scheherazade» ihr Medium gefunden und der Rundfunk einen singulären Star .

Das auf zwei MP3- CD dokumentierte Erzählwerk ist so arrangiert , dass man sich zunächst in das modulare Verfahren dieser «oral poetry» einhören kann , ehe eine Serie von Studiogesprächen über «orientalische» Riten und Sitten anhebt . Energisch spielt die Erzählerin den zaghaft fragenden Moderator mit ihren bunten Schnurren aus angeblich Selbsterlebtem und Selbstgehörtem an die Wand . Mit Stimme , Trommel , nasalem Singsang und arabisch- türkischen «Zitaten» liefert die beredte Dame das Kaleidoskop eines eklektischen «Orients» , wie ihn das Publikum der fünfziger Jahre offenbar genoss .

Viel liesse sich über den Karl- May- haften Hang zur «authentischen Selbsterfindung» notieren , wie dies im exquisiten Beibuch geschieht . Mit ihrer Grandezza und Geistesgegenwart hat die umwerfend unkonventionelle Spontanrednerin dem Radio jedenfalls Sternstunden beschert – zu Recht wird die erfreuliche Edition durch einen Jahrespreis 2008 der deutschen Schallplattenkritik gewürdigt .

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