Ernest Hemingway: Auf Tod und Leben

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Ernest Hemingway: Auf Tod und Leben

NZZ , 5. 8. 2011

czz – Im Gedenken an den Freitod Ernest Hemingways, der sich im Juli zum 50. Mal jährt, lanciert Der Audio Verlag eine im besten Sinne unzeitgemässe Edition mit acht Hörspielbearbeitungen der wichtigsten epischen Werke. Von der 1954 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Novelle “Der alte Mann und das Meer” bis hin zu den Short Stories des Bandes “Men without Women” liegen die Stoffe allesamt an den Magistralen des Hemingway’schen Kosmos: Kämpfe auf Leben und Tod – sei dies im Spanischen Bürgerkrieg, auf Grosswildjagd, in der Corrida oder im Boxring. Dabei ist bemerkenswert, dass weitgehend Hörspiele verlauten, welche während der fünfziger Jahre entstanden sind. Die systematische Produktion von Radiofassungen der Hauptwerke Hemingways ist zweifellos repräsentativ für die Hausse der deutschen Hemingway-Rezeption. Zwischen Kammerspiel und turbulentem Hörtheater vermitteln die Klangdramen spezifische Sounds der 50er Jahre und damit ein verkanntes Stück Radiogeschichte. Keine Patina haftet den Inszenierungen des Regisseurs Karl Ebert an: Mit grellen Stimm(ungs)bildern erscheint “Haben und Nichthaben” (1953) als akustischer Comic; in “Eine Viertelmillion” (1952) greift Ebert selbst zum Mikrofon, um als rasender Sportreporter den Endkampf des Boxmeisters zu kommentieren. Kurz: Hemingways Szenarien erscheinen dem heutigen Hörer weniger als Apotheose des Machismo (wie vielfach angenommen), sondern als Panoptikum der Geschlagenen und Gescheiterten, mit welchen innerhalb der deutschen Nachkriegsgesellschaft sich manch Einer zu identifizieren geneigt war. Eine fesselnde und durch informative Booklet-Texte erhellende Edition.

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