Fauser-Sound – genau

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NZZ , 7. 6. 2006

czz – Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstossen , dann klingt dies – frei nach Georg Christoph Lichtenberg – besonders im Hörbuchzeitalter mitunter hohl . Manchen Interpreten dahingegen ist es – wie Heikko Deutschmann – gegeben , Texte jeder Epoche und jedes Genres zu bewegtem Leben zu wecken , gleich, ob Stendhals “Rot und Schwarz” oder “Die Glocke” Schillers .

Nun ist mit Jörg FausersSchneemann” ein Klassiker bundesrepublikanischer Pop- Literatur aus des Schauspielers Munde zu vernehmen und merk’s : Auch in die miesen Klitschen , fragwürdigen Bars und Haschhöhlen , wo der Gelegenheits- Ganove Siegfried Blum seine Schleichgeschäfte treibt , passt sich Deutschmanns Diktion detailgenau ein . Kongenial trifft der Sprecher jenen “Fauser-Sound” , mit welchem der 1987 kurz nach seinem 43. Geburtstag verunglückte Autor die deutsche Erzählkunst konkurrenzlos beschenkte .

Der Kokain- Krimi vom “Schneemann” bescherte Fauser 1981 das , was man den “Durchbruch” nennt , bedeutet literarisch betrachtet aber wesentlich mehr . Die Geschichte vom Minikriminellen , dem der Zufall mit fünf Pfund Kokain ein um ein paar Nummern zu grosses Los in die Hände spielt , ist zugleich minuziöse Milieustudie , Gesellschaftsportrait der beginnenden Achtziger und bestes “abgekochtes“-Genre .

Geschult an der progressiven Beatliteratur wie an den Klassikern Chandler und Hammett , benötigt der Sprachschöpfer Fauser keinen einzigen Anglizismus , um die “amerikanische Anmutung” zu erreichen . Er hat die Schnauze , er hat den Takt , den coolen Blues über das Verblühen der Lebensträume Blums anzustimmen . Wie seine Figur ist der Autor in der Literatur deutscher Zunge ein einsamer Wolf geblieben – und sein Lied eine rare , rau- elegische Melodie .

  • Jörg Fauser : Der Schneemann – Lesung: Heikko Deutschmann – 6 CDs ( 434 Min. ) – HörbucHHamburg 2006

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