Fauser – verzichtbar traktiert

| echt welt texte |

NZZ , 7. 6. 2006

czz – “Live hard , die young” : Wie wenige deutsche Schriftsteller hat sich Jörg Fauser ( 1944 – 1987 ) in Dichtung und Wahrheit dem Motto der amerikanischen Beat Generation verschrieben . Drogen , Bars und schneller Sex takten nicht nur seine zunehmend dem “hard- boiled“- Genre zuneigenden Romane , sondern besonders die ( eben in der Edition des Alexander- Verlags unter dem Titel “Trotzki , Goethe und das Glück” gesammelten ) Gedichte .

Die poetischen Abseitsblicke aus Milieu und Fauna von Bierklitschen , Imbiss- Stuben und billigen Zimmern umgehen zwar Metrum und Reim , bestechen indes durch einen suggestiven Groove , den der selbstbewusste Poet anlässlich von Radioaufnahmen exzellent zur Geltung brachte .

Nun hat sich das Musiker- Duo Detlev Cremer und Jochen Rausch knapp zwei Jahrzehnte nach Fausers Tod über dessen Klangspuren hergemacht und die “trockene” Rezitation mit einigen elektronischen Beats und Akkorden aufgefettet . Wiewohl dies den Popliteraten wohl am wenigsten gestört hätte , mutet dem heutigen Hörer eine solche – auf den zweifachen Retro- Effekt einerseits des “Lost- Generation“- Feelings der 70er , anderseits auf den Sequenzer- Sound der 80er Jahre setzende – Ausschlachtung selektierter Poeme als durchsichtiges Effektkalkül an .

Das einzig Positive . das sich über die musikalisch einfältige Traktierung von Chillout- tauglichen “Fauser-Tracks” sagen lässt , wäre der Hinweis auf die 1997 von Trikont edierten O- Ton-Materialien : Dort – und nur dort – ereignet sich Jörg Fausers genuiner “Rhythm and Blues” .

  • Jörg Fauser ( Stimme ) , Detlev Cremer und Jochen Rausch ( Sound ) : Fausertracks – 1 CD ( 63 Min. ) – Random House Audio 2005
  • Jörg Fauser : Fauser O- Ton – 2 CDs ( 127 Min. ) – Trikont 1997

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