Franz Hohlers “Minima Moralia”

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NZZ , 6. 2. 2009

czz – Es wäre nicht Franz Hohler , wenn er bei der Entgegennahme des «Ehrenstiers für sein kabarettistisches Lebenswerk» sich nicht selbstironisch mit einem «Pfingstochsen» verglichen hätte . Denn Hohler pflegt abseits der Lachgesellschaft die alerte Agenda als Autor eines leisen und feinen Erzählwerks , in dessen Zentrum der verletzliche – und oft reichlich vermessen und vernunftvergessen agierende – Alltagsmensch steht . Triftig setzt dies die Erzähl- und Aperçu-Sammlung «Das Ende eines ganz normalen Tages» ins Werk , wobei sich der Fokus des Erzählten sukzessive von der Nahsicht der Selbstbeobachtung zu Zooms auf weltpolitische An- Sichten weitet .

Was mit der jederzeit möglichen Fallgeschichte beginnt , sich durch einen unglücklichen Fehltritt jäh in einen medizinischen «Fall» zu verwandeln , reflektiert anhand einiger Episoden aus Erinnerung und Familie die Zeitlichkeit und das Fragile menschlicher Existenz . Wer sich dabei ertappt , den lästigen Ameisen im eigenen Haus mit Insektengift zu Leibe zu rücken ( «Genozid» ) , anstatt einfach die Fenster zu öffnen , kann und wird auch beim persönlichen Augenschein der menschenverachtenden Umstände , in welchen Palästinenser hinter der «Wall of Hatred» leben , nie mehr den allzeit gescheiten Gutmenschen geben .

Von der Wiederkehr des in jüngeren Tagen Verdrängten handelt auch der im Vorjahr erschienene Roman «Es klopft» , wobei die starke Strapazierung des Zufalls als dramaturgisches Mittel , auseinanderlaufende Erzählfäden zu dramatischen Knoten zu schürzen , deutlich für eine Rückkehr zur Kurzform spricht : Denn in den Aperçus zum «Abenteuer Alltag» kommen Franz Hohlers «Minimal Moralia» poetisch und unwiderleglich zu sich .

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