Friedrich Dürrenmatt: Wahnsinn als Methode

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Dürrenmatt: Wahnsinn als Methode

NZZ , 6. 1. 2012

czz – Parallel zur gediegenen Buchausgabe der Kriminalromane Friedrich Dürrenmatts legt Diogenes eine Auswahl von «Drei Kriminalromanen» als Hörbuchbox vor. Mit Hans Korte ist ein versierter Sprecher zur Hand, der nicht nur dem alternden Berner Kommissär Hans Bärlach in «Der Richter und sein Henker» sowie in «Der Verdacht» Stimme und Körper leiht, sondern auch dem ehemaligen Chef der Kantonspolizei Zürich, welcher in «Das Versprechen» die Geschichte einer unaufgeklärten Serie von Kindsmorden erzählt.

Die Tatsache, dass sich Dürrenmatts Romane nach Massgabe von Spannung und «Whodunit» wie traditionelle Krimis lesen lassen, widerspricht nicht dem Umstand, dass der Autor von Werk zu Werk zunehmend einerseits das Genre, anderseits den Handlungsspielraum behördlicher Ermittlungen reflektiert. Sei es, dass sich der alte Querkopf Hans Bärlach unorthodoxer Mittel bedient, um den Mörder seines Polizeikollegen quasi «über die Bande» anzuspielen, sei es, dass sich der krebskranke Kommissär in das von einem vermeintlich ehemaligen Lagerarzt geleitete Privatspital begibt und sich damit der Macht jenes diabolischen Sadisten ausliefert, dessen Operationen ohne Anästhesie bereits im KZ Stutthof berüchtigt waren.

Letztlich geht die Rede von dem Zürcher Kommissär Matthäi, welcher die besten Jahre seines Lebens der Aufklärung einer Reihe von Mädchenmorden hingibt. Indem Matthäi den Wahnsinn des vermuteten Täters zur eigenen Methode erhebt und nach Massgabe der Wahrscheinlichkeit eine Falle einrichtet, agiert er zwar jenseits der behördlichen Befugnisse, bleibt allerdings jenem rationalen Kalkül verhaftet, das den Zufall als unwägbaren Faktor ausserhalb der Rechnung lässt. Die Tatsache, dass das Zuschnappen der Falle durch eine – wie man später wissen wird – stupide Koinzidenz verhindert wird und Matthäi seinem eigenen Irrsinn entgegenwartet, bestätigt den Untertitel des literarisch anspielungsreichen Werks als «Requiem auf den Kriminalroman».

In der Tat tritt in allen drei Romanen das Unwahrscheinliche als Handlungsfaktor auf den Plan, womit bewiesen wird, dass längst nicht alles so beweisbar ist, wie es Fallgeschichte und Kriminalroman suggerieren.

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