Friedrich Glausers letzter “Kif”

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Friedrich Glausers letzter «Kif»

NZZ , 16. 5. 2005

czz – «Kif»: Sensationen der anderen Art verheisst nicht nur der Titel jenes kleinen Textes, den Friedrich Glauser 1937 für die Radioreihe «Länder und Völker» schrieb: Die dichte Beschreibung eines in Marokko erfahrenen Deliriums gilt als das einzige erhaltene Originaltondokument.

Entgegen dem zuvor selbst formulierten Vorsatz «wir werden nie in Mikrophone spucken» war Glauser nachweislich zweimal im Radiostudio. Von seiner Lesung aus dem Fremdenlegionärs-Roman «Gourrama» blieb lediglich das Sendedatum als Spur (Radio Beromünster, 6. 6. 1937), von «Kif» nur das ungeschnittene Studioband – und die offene Frage, ob das illuminierte Prosastück je gesendet wurde.

Waren die Phantasmen des Haschischessers  – eine riesige Welle «aus eisigem Gelächter» – dem zeitgenössischen Radiopublikum womöglich nicht zumutbar, fügen sie sich jetzt bestens in die Grow-Shop-Konjunktur. Die von Heike Mundt redigierte Edition der akustischen Preziose stellt diese ausserhalb des literarhistorisch gemütlichen «Wachtmeister Studer».

Im Kontext mit «Morphium» – Glausers Protokoll seiner Suchtkarriere von «Mo.» über Kokain zu Opium – verliert «Kif» jede psychedelisch-folkoristische Romantik. Ein knappes Jahr vor seinem Tod aufgenommen, klingt Glausers Stimme wie der letzte, unsentimentale Ruf aus einem von zerrenden Süchten, Entzügen und fiebriger literarischer Produktivität verzehrten Leben.

  • Friedrich Glauser liest «Kif». Feature. 1 CD (46 Min.). Verlag A. Kunstmann 2005

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