NZZ, 31. 1. 2007
czz - Ein heller Geist erleuchtet, was er anblickt: Der grosse Kunstgelehrte ERNST H. GOMBRICH hatte eben ausstudiert, als er der Anregung eines Verlegers nachgab und auf ein fassliches Historienbuch für Kinder sann: Die 1935 innerhalb weniger Wochen entstandene «Kurze Weltgeschichte für junge Leser» sollte das einzige in deutscher Sprache verfasste Werk des klugen Kunstschriftstellers bleiben. Von einem Trip ans Londoner Warburg-Institute kehrte der Sohn einer assimilierten Wiener Familie nicht mehr in seine rasch «arisierte» Stadt zurück. Nun tritt uns dieser eminente Gelehrte – von Christoph Walz dezidiert liebevoll angestimmt – akustisch zur Wiederentdeckung entgegen. Gombrichs Geschichten aus der Geschichte lassen die blasse Akademie links liegen und entziehen sich grazil dem bürgerlich verbuchbaren «Bildungsgut»: Von Steinzeit und Neandertaler bis hin zu «Blut und Eisen» des Ersten Weltkriegs fasst diese – die Möglichkeiten des Hörbuchs nahezu ideal zum Klingen bringende – Aufnahme die aufmerksamen Lauscher mit einem «Du» sachte an der Hand und führt sie durch die unendliche Suite historischer Augenblicke. Seien es die Gletscher der Helden, seien es die Quellgebiete der Mentalität: Gombrich – der die akustische Wirkung seines Textes gelegentlich von Rezitationen für seine Braut überprüfte – enthält sich einer allzu optimistischen Fortschrittsperspektive. Luzide tritt dies in jener abschliessenden Passage zu Tage, mit welche der greise Gelehrte seinen Urtext «nach 50 Jahren» versah: Das Epoche globaler Vernetzung, die Barbarei des Nationalsozialismus versehen das Frühere mit manchem Fragezeichen.
Ernst H. Gombrich: Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser. Lesung: Christoph Waltz, Teil I: Von den Anfängen bis zum Mittelalter, 5 CD (342 Min.), Teil II: Von der Renaissance bis heute, 4 CD (271 Min.), Argon Verlag 2006















aktuellste kommentare