NZZ , 4. 1. 2008  [ Neue Hörbücher ]

czz - Gäbe es das Wort , es “fiele einem wie Schuppen” von den Ohren : “Die Blechtrommel” ist – dem Thema der perkussionistischen Weltbegegnung des kleinen Oskar entsprechend – eine eminent aus akustischen Metaphern und Wortumschöpfungen gewebte Tapisserie . Das Lauten , das Lauschen und die glaszersprengenden Gabe des Mazerath’schen Schreis mäandern quer durch das Werk . Instrumentiert durch die vollmundige Wortwörtlichkeit von Günter Grass’ Sprache , müsste dieser Roman eigentlich längst als exemplarisches Manifest gelten für eine genuin auditive Literatur . Die Autorenlesung löst – in voller Länge von 27 Stunden – sinnlich stimmig ein , was die Partitur des Buches papierlich verheisst . Dies gilt nicht minder für die Romane der historischen Doppelungen und Wiedergänger : Sei es die Parallelführung von Deutscher Reichsgründung 1870/71 und der “Wiedervereinigung” 1989/90 in “Ein weites Feld” , sei es die Rückprojektion des Gründungstreffens der “Gruppe 47” auf “Das Treffen in Telgte” - einer fabelhaften Konferenz namhafter Barockdichter 1647, kurz vor Ende des “Dreissigjährigen Krieges” . Die in den Achtzigern entstandene Aufnahme dieses anspielungsreichen Spiegelbildes debattierender Dichter erhält durch musikalische Interludien - der Kammerchor Stuttgart mit Vokalwerken Heinrich Schütz’ und Claudio Monteverdis - hochbarocke Glanzlichter .

Mögen Vorbehalte gegenüber dem Geschichtsphilosophen , dem Ideologen , dem paradetrabenden Nobelpreisträger zu Recht bestehen : Anerkennen wird man – und dies mit Hochgenuss – dass Günter Grass einer der virtuosesten Vortragkünstler der Gegenwart ist . Über die Jahre hat dieser Mann sein riesiges Romanwerk live vor wechselnden Auditorien und zur Gänze vorgetragen . Wir dürfen vollinhaltlich bezeugen , dass - nicht zuletzt dank einer stupenden Mikrophonierung und Nachbearbeitung - bei sechzig Stunden Laufzeit gerade mal fünf schwächere Minuten das ungewöhnliche Hörvergnügen trüben . Muss da noch auf den Bonus der reichlich mit Grass’ Graphiken versehenen CD- Boxen hingewiesen werden ? 

Günter Grass liest :

  • Die Blechtrommel , 23 CDs ( 27 Stunden )
  • Ein weites Feld , 24 CDs ( 30 Stunden )
  • Das Treffen in Teltge , Lesung mit vokalen Interludien ( H. Schütz , H. Albert , C. Monteverdi ) , Kammerchor Stuttgart , 5 CDs ( 5,5 Stunden )
  • Da sagte der Butt, Percussion: Günter “Baby” Sommer, 2 CDs ( 1,7 Stunden ) , Steidl 2006 , 2007
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