NZZ , 7. 3. 2008 [ Neue Hörbücher ]

czz - Im April 1951 tat der damalige Nordwestdeutsche Rundfunk sein Möglichstes , die Premiere des mittlerweile berühmtesten aller deutschen Hörspiele in das Verständnis der Öffentlichkeit einzubetten : Doch nicht einmal ein im “Spiegel” lancierter Artikel vermochte zu hindern , dass Günter EichsTräume” Publikum und Presse zu promptem Protest provozierten . Jetzt endlich auf CD in wohlkommentierter Edition zugänglich ( angereichert um eine blasse “Coverversion” ) , verfehlt Fritz Schröder- Jahns präzise Inszenierung auch 57 Jahre nach der Ursendung nicht ihre Wirkung .

Fünf ebenso knappe wie grausige Szenen : Termiten höhlen Städte und Menschen von innen aus ; eine Familie lebt seit Generationen im rasenden , blickdicht versiegelten Güterzug ; Eltern verschachern ihr Kind an Anti- Aging- Patienten . In alternativloser Albtraumlogik steuern die Szenen sämtlich in Richtung der Katastrophe , welche - vom Text ausgespart - umso wirkungsvoller in der Phantasie des Hörers stattfindet . Es braucht keine “Traumdeutung” , um die zu Grunde liegenden Sprach- und Denkbilder auf Motive wie Deportation , Unterwanderung und Aushöhlung des Humanen zurückzuführen . Nach “Hiroshima” , vernimmt man am Beginn , sei der Horror universal .

“Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht” : Das den “Träumen” entlehnte Gedicht begegnet auch in dem Digest , den Waltraud Brückner aus fünf Jahrzehnten Eich’scher Poesie zusammengestellt hat . Als Leser der elegischen Landschafts- und lakonischen “Inventur”- Gedichte ist Christian Brückner allerdings ein gar zu dynamischer Rezitator , um je im Herzen der Verschwiegenheiten Günter Eichs anzukommen .

Link : Mörderische Angelegenheit ( Der Spiegel 16 / 1951 , 18. 4. 1951 ) |||

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