czz – Reine Koinzidenz oder Zeichen der Zeit? – Der Bericht, den Henry David Thoreau 1854 über sein zweieinhalb Jahre währendes Einsiedlerleben am See unter dem Titel «Walden» vorlegte, stimmt in manchem mit jener Rede überein, die Häuptling Seattle (1786–1866) im selben Jahr vor dem Gouverneur des Staates Washington hielt.
Obwohl die Quellenlage zur Rede des Oberhauptes der Duwamish prekär ist und differente Versionen kursieren, zählt ihre grundlegende Forderung nach mehr Respekt vor der Natur – darin Thoreaus «Walden» ähnlich – zu den Leittexten der Ökologiebewegung.
Ted Perrys Anfang der siebziger Jahre verfasste Version ist zwar die populärste, gilt allerdings auch als umstrittenste Fassung der ursprünglich in der Stammessprache gehaltenen Deklaration. Gleichwohl bleibt die von Rapper Thomas D. (Die Fantastischen Vier) mit Ernst und Takt einst als Single publizierte, jetzt um einige Remixes erweiterte Mahnung ein dringlicher Appell zur Demut vor allem Lebendigen.
Im Sinne genau dieses Respekts äussert sich Thoreau (1817–1862) im Resultat seines wenig romantischen Selbstversuches eines subsistenten Lebens in der Waldeinsamkeit. Das Perspektiv eines minimal mit Werkzeug und Besitz ausgestatteten Alltags wirft selbstredend manchen Schlagschatten auf Errungenschaften der «Zivilisation». Ob Mode, fleischreiche Nahrung oder hysterische Publizistik – der Hohn des Einsiedlers gilt allem nicht unmittelbar Lebensnotwendigen. Mit Bernd Geiling ist ein umsichtiger Sprecher am Wort, bei dem traktathafte Passagen und Ironie ebenso gut aufgehoben sind wie innige Schilderungen naturnaher Phänomene.
- Henry David Thoreau: Walden. Ein Leben mit der Natur – Gekürzte Lesung Bernd Geiling, 4 CD (228 Min.) – Hoffmann und Campe 2009
- Thomas D. spricht: Die Rede des Häuptlings Seattle – 1 CD (20 Min) -Lübbe Audio 2010
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