NZZ, 31. 1. 2007
czz - Alle Jahre wieder besternen die Kritiker Fachblattes «Theater heute» den Bühnenhimmel mit ansehnlichen Ansagen und Attributen. Wenn sich Radio DRS für die Reihe «Hörspiel heute» straks der ausgezeichneten Autoren und Arbeiten annimmt, könnte der Verdacht auf anlassbezogene Aufmerksamkeit nahe liegen. Die beiden - eben im Christian Merian Verlag auf CD edierten - akustischen Adaptierungen dramatischer Vorlagen von ANJA HILLING («Nachwuchsautorin 2005») und HÄNDL KLAUS («Dramatiker des Jahres 2006») sprechen mit ihrer sachten, bedachten Machart indes eine taktvoll andere Sprache. Dabei mag der räumliche Belang, welcher Hillings Reigen-Runde durch die Melancholie-Waben eines Mietshauses ebenso anhaftet wie Händls (bis auf eine Menschen-Zehe besenreine !) Appartment-Abgabe die gekürten Stücke besonders für die intime Inszenierung im Tonstudio prädestinieren: Zwischen der Schauseite des ausgesprochen Gesagten und den sinistren Hintertreppen des Verschwiegenen illuminieren gefinkelte Klang-Atmosphären die Dimensionen des isolierten Individuums. Sei es Martin Schütz‘ diskrete Anspielung eines Danse Macabre in Händls «Dunkel lockende Welt», sei es Stini Arns musikalische Übereinanderschichtung der Tonspuren von Rohrrauschen, Hinterhof-Kinderstimmen und Treppenecho, welche der Organismus eines Grosshauses in «Mein junges idiotisches Herz» permanent produziert: Dem Selbstzweck des suggestiven Sounds stehen distinkte Regie (Franziska Hirsbrunner, Erik Altorfer) und starke Stimmen entgegen. «Hörspiel heute» wäre demnach eine Verheissung für die dramatische Klangkunst: Klug und mit Lust.
Anja Hilling: Mein junges idiotisches Herz, Hörspiel: Regie: Franziska Hirsbrunner, 1 CD (64 Min.), Händl Klaus: Dunkel lockende Welt, Regie: Erik Altorfer, 1 CD (62 Min.). Beide: DRS / Christoph Merian Verlag 2006















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