czz – Man braucht Harry Rowohlt kaum vorzustellen, Harry Rowohlt ist eine Institution. Im Stillen zählt er zu den fleissigsten Übersetzern aus dem Anglo-Amerikanischen, mit besonderem Gusto für irische Literatur. Einen modernen Kinderbuchklassiker erschloss er mit Alan Alexander Milnes “Winnie-the-Pooh“. Die Sympathie für Letzteren klingt im Titel einer jahrelang in der “Zeit” publizierten Kolumne an: “Pooh’s corner – Meinungen eines Bären von geringem Verstand“.
Der “geringe Verstand” zählt zu dem für Rowohlt typischen Understatement, welches in paradoxer Form auch seine enorme Bühnenpräsenz austariert. Als stimm- und wortgewaltiger Performer sinniert er über Alltagsgeschichten und sprachliche Sonderbarkeiten wie den fatalen Hang des Coiffeurgewerbes zu “originellen” Namen seiner Lokale oder die “pfiffigen” Benamsungen von Neukreationen der Brötchenbäckerei. Dabei schweift Rowohlt – in direkter Nachfolge Tristram Shandys – zuweilen grandios vom Thema ab, um nach vollmundigem Mäandern eventuell zurückzufinden.
Wie auf dem eben erschienenen Mitschnitt eines Live-Auftritts zu vernehmen, vermag Rowohlt stufenlos zwischen Feingeist und Raubein zu changieren, legt allerdings bei der Rezitation der Werke anderer ausserordentlichen Respekt an den Tag: Mit Hingabe leiht er Jan Neumanns schwarzhumoriger Pièce “Knolls Katzen” seine Stimme, dem Monodrama für einen Handy-Telefonierer mit hörbarem Genuss in groteske Sprachspiele folgend.
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Harry Rowohlt spricht Rumba, Rumba, Rumba ist modern, 2 CD (112 Min.) – Verlag Kein & Aber, 2011.
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