czz – Schön und glänzend und wie Früchte nehmen sie sich aus, bleiben aber kalt und hart und fremd. Den Schmuckknöpfen, welche die drei Mädchen Rosie, Jean und Ann täglich zählen und sortieren, haftet ein inneres Glühen an, aber gleichzeitig etwas unfassbar Beunruhigendes. Das 1974 vom DRS produzierte Hörspiel war die erste radiofone Arbeit von Ilse Aichinger, deren Geburtstag sich am 1. November zum neunzigsten Mal jährte.
Wie in den frühen Erzählungen hebt auch “Knöpfe” mit einer ganz gewöhnlichen Situation an, um peu à peu mittels surrealer Szenen ins Unheimliche zu kippen. So hört und stört die erst kurz bei den Knöpfen arbeitende Ann ein ständig quälendes Geräusch aus einem Nebenraum; die beiden länger dienenden Mitarbeiterinnen haben diesen Ton ebenso adaptiert wie die verstörende Tatsache, dass die einzelnen Knopfmodelle Mädchennamen tragen. In kurzen Aufblenden von Dialogen berichtet Jean, wie sie sich seltsam fühle, “so glatt und rund”.
Seither ist Jean nicht wieder bei der Arbeit erschienen, wo, begründet mit der Lancierung eines neuen Knopfmodells, nun auch sonntags sortiert und gezählt wird. Niemanden nimmt es noch wunder, dass das vielgepriesene neue Modell ausgerechnet die Artikelkennung “Jean” trägt. Klanglich maximal verkargt und ganz auf die Sprache konzentriert, hat Joseph Scheideggers Inszenierung keinerlei Staub angesetzt und nach wie vor das Zeug zu einem Unheimlichen, hinter welchem sich ein grosses Gleichnis verbirgt.
- Ilse Aichinger: Knöpfe. Hörspiel, 1 CD (61 Min.) – DRS | Christoph-Merian-Verlag 2011
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