czz – Als der Briefwechsel zweier eminenter poetischer Stimmen des 20. Jahrhunderts im Vorjahr in Buchform erschien , lag der Öffentlichkeit das Zeugnis einer verzweifelnden Liebe vor , welches wenig Anlass bot für Voyeurismen .
Die Briefe , Karten und Widmungen , die dem 1948 in Wien geknüpften Liebesband zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan während knapp zweier Jahrzehnte folgten , sind dramatische Dokumente des Einander- Verfehlens . Ob in Wien oder Rom , Paris oder München abgestempelt , bleiben die schriftlichen Zuwendungen Ursache und Resultat unablässiger Unruhe . Untrennbar aufeinander bezogen , ringen hier zwei Sprachmächtige um das “richtige” , das verbindende Wort .
Indem Verena Teichmann und Harald Krewer – gebührlich gerühmt für die Vertonungen der Briefwechsel Walter Benjamins mit Theodor und Gretel Adorno – nicht auf die Imitation von bekannten Stimmen setzen , sondern den Fokus auf den Ereignisreichtum der Texte schärfen , unterbleibt jede “Inszenierung” des ohnehin Dramatischen . Die etwas kühlere Note Johanna Wokaleks , das überraschend feminine Timbre Jens Harzers sind maximal auf die Texte konzentriert statt emotional exaltiert . In der Diskretion der Stimmführung schwingt gleichsam das Ungeschriebene und zwischen den Zeilen Ungesagte mit .
Zwiefach tragisch das Finale : Celans psychische Zerrüttung infolge der infamen “Affäre Goll” und sein Tod in der Seine 1970 . Nur drei Jahre später erliegt Ingeborg Bachmann einem fatalen Brandunfall – ihr “Todesarten“- Zyklus bleibt Fragment . Die Einspielung von Originalkommentaren der Buch- Herausgeber Barbara Wiedemann und Hans Höller bestätigt die akustisch dringlich vermittelte Vermutung , dass hier zwei Leben , zwei exzeptionelle Werke und eine fragile Liebe zwischen den Nachwirkungen der Shoah und dem gerade in seiner modernen Form in Gang gekommenen Literaturbetrieb zerrieben wurden .
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Ingeborg Bachmann | Paul Celan : Herzzeit – Briefwechsel , gelesen von Johanna Wokalek und Jens Harzer – 4 CD ( 304 Min. ) – Speak Low2009
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