NZZ, Phono, 21. 4. 2004

czz - Die bizarr lautschriftliche Orthografie, welche James Joyce zur Notierung der Mundarten und Maulheldentaten des irischen Englisch für den «Ulysses» – besonders jedoch für «Finnegans Wake» – angewandt hat, stellt die stille Lektüre vor manches Rätsel. Oft lässt erst der Klang der Vor-Lesung den gewitzten Sinn aus dem Gestrüpp der Buchstaben springen. Wenn nun des Autors Rezitation höchst selbst aus historischen Quellen ertönt, sollte man nicht zuviel erwarten: Nicht mehr als vier – recht «grammelnde» - Minuten währt das Zitat aus dem «Aeolus»- Abschnitt des «Ulysses»; deutlich vernehmlicher gestalten sich die achteinhalb Minuten aus der «Anna Livia Plurabelle» des «Finnegan». So winzig die 1924 von Silvia Beach bzw. die 1929 von dem Sprachforscher Charles K. Ogden veranlassten Tonspuren anmuten, so reich sind sie als Proben köstlicher Vortragskunst. Was Joyce aus dem «Ulysses» ironisch als oratorisches Exempel wiedergibt (ein Traktat zur «Wiederbelebung der irischen Sprache») ist nicht minder kurzweilig als jene kreiselnde Feier der lebenden Rede («Telmetale») am Ende des «Anna Livia»-Kapitels. So gross das akustische Vergnügen dem Liebhaber ist, so wertvoll dem simplen Leser ein Schlüssel für künftige Lektüren, so schlampig gestaltet sich leider die Edition dieser «Complete Recordings», die nicht nur den Hinweis auf die Entstehung der Tondokumente unterschlägt, sondern auch auf die konkreten Textpassagen.

James Joyce: The Complete Recordings. 1 CD (13 Min.), Hörsturz 2003

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