In: NZZ , 2. 5. 2008
czz - Man darf Joseph Conrad getrost einen Vorläufer Alfred Hitchcocks nennen : Die erfahrungssatt erzählten Romane des als Seemann weit Gereisten sehen zwar traditionellen Abenteuerschnurren ähnlich , doch kreisen sie auf unheimlich moderne Weise um leere Zentren . In gerafften Audio- Fassungen aufgelegt , schenkt die Wiederbegegnung mit den Romanen «Herz der Finsternis» ( 1902 ) und «The Secret Agent» ( 1907 ) manch erhellende Erkenntnis . In seiner Hörspielbearbeitung hat Michael Köhlmeier den ohnehin knappen Klassiker um die kolonialen Raubzüge am Kongo noch weiter verdichtet und auf ein Verhör reduziert : Im sterilen Raum tritt der fiebrige Irrsinn aus dem Inneren Afrikas in zeitloser Dringlichkeit hervor . Was als Suche nach einem Elfenbeinagenten mit guten Gründen beginnt , verfällt allmählich dem Sog eines dunklen Kontinents der Grausamkeit , um schweigend inmitten der weissen Flecken auf der Seelenlandkarte zu enden .
Auch «Der Geheimagent» verknüpft die Motive von «Gewalt» und «Schweigen». Gezwungen , den russischen Aktivisten , die er für London ausspioniert , seine Loyalität zu beweisen , verübt der biedere Mann ein harmloses Sprengstoffattentat . Die Sache läuft gründlich schief , das Blatt wendet sich und wandelt sich zum grausigen Familiendrama . Die stets schweigende Gattin entpuppt sich als die eigentliche Geheimagentin einer erlittenen Gewalt , welche nun stumm und stumpf herausbricht . Dehnung und Beschleunigung , Mord und Selbstmord in strikter Logik , aber ohne «Psychologie» . Conrads Figuren sind plane Flächen , doch tief wie Spiegel : Charles Brauer meistert die Paradoxien dieser virtuosen Prosa im Ton einer ermüdeten Melancholie .
- Joseph Conrad : Herz der Finsternis . Deutsch von Fritz Lorch , Hörspiel mit Bernd Rumpf und Hans Gerd Kübel , 1 CD ( 57 Min. ), ORF / DHV 2007
- Joseph Conrad : Der Geheimagent . Deutsch von Fritz Lorch , Lesung : Charles Brauer , 6 CD ( 475 Min. ) , Manesse / Random House Audio 2007 |||















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