czz - Monteverdis Musik und die Mathematik sind hohe Ideale für den an einer Mittelschule im strukturschwachen Nirgendwo gestrandeten Individualisten . Der dumpfe Geruch der in den Korridoren dampfenden «Wollsachen» wird für den engagierten Aufklärer zum Emblem des Ekels : vor den engen Verhältnissen gleich wie vor der ins Zynische rückenden Dürre der eigenen Existenz .
In Rudolf Nabers sensibler auditiver Einrichtung für den SWR aus dem Jahr 1977 gibt Lars Gustafssons früher Roman ein denkwürdiges Porträt der politischen und menschlichen Provinz . Als der ( unschwer als Alter Ego des Autors zu erkennende ) Lehrer in einem begabten Schüler für einen kurzen Moment das Spiegelbild seines früheren Selbst zu erkennen meint , beginnt das Bollwerk der beabsichtigten Isolation zu bröckeln , und die Spiegelphantasie rutscht unversehens in die illegitime Affäre mit einer Minderjährigen .
Wenn – dem erwartbar fatalen Finale zum Trotz – kurz die verlorene Hoffnung triumphiert , erhebt sich die gut berufene Stimme Christian Brückners aus existenzieller Müdigkeit zur jähen Verve . Als die Realität mit dem Unfalltod des Schülers , der Abkehr des Mädchens und einer Entlassungswelle in der Region sich umso niederschmetternder zurückmeldet , weiss der Protagonist : «Die sechziger Jahre sind vorbei.»
Mit dieser Chronik einer persönlichen und historischen Desillusion ist ein Werk Lars Gustafssons wiederzuentdecken, welches noch ohne postmoderne Manierismen schon die Leitmotive der in den achtziger und neunziger Jahren erfolgreichen Romane anspielt .
- Lars Gustafsson : Wollsachen . Deutsch von Verena Reichel , Hörspiel , 2 CD ( 115 Min. ) , SWR | NDR | Edition Parlando 2008
- Link : Hördat ( pdf )
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