Lyrische Schweiz : achter Kontinent

Lyrische Schweiz : achter Kontinent

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NZZ , 7. 1. 2011

czz – Als originär Schweizer Replik auf die 2009 mit grossem Echo publizierten «Lyrikstimmen. 100 Jahre Lyrik im Originalton» ist nun bei Christoph Merian eine Anthologie erschienen, welche unter dem Titel «Wenn ich Schweiz sage. Schweizer Lyrik im Originalton» die helvetische Sprachlandschaft gegen den hochdeutschen Kanon setzt.

In der Tat kommt man aus dem Staunen kaum heraus, wenn man den seit 1937 dokumentierten Originalstimmen von 88 Autorinnen und Autoren lauscht. Aus dem Originalton der Dichterstimmen haucht eine Aura, die dem gedruckten Wort oft fehlt; die alte Verwandtschaft zwischen Lyrik und Gesang wird hörbar, selbst wenn oder gerade weil wir deren Sprache nicht verstehen. Nicht weniger als acht Sprachen sind zu vernehmen: vom Hoch- und Mundart-Deutschen über das Französische und Italienische bis hin zu Spanisch und Jiddisch. Nicht zuletzt zeugen das Rätoromanische und ein Tessinerdialekt vom Reichtum regionaler Sprachen.

Anders als bei traditionellen Anthologien, welche die Werke schön ordentlich nach Sprachen sortieren, mischt man hier – einer ungefähren chronologischen Ordnung folgend – die Idiome und Stimmen in stetigem sprachlichem Wechsel, so dass der Eindruck der Vielstimmigkeit umso suggestiver wirkt.

Dass sämtliche nichtdeutschen Gedichte im Booklet in Übersetzungen nachzulesen sind, ist ebenso logisch wie löblich. Wer Ohren hat zu hören, wird die Schweizer Lyrik als achten Kontinent erfahren: ein Reichtum an Entdeckungen, welcher seinesgleichen sucht.

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