Meienberg , filterlos

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VORBEMERKUNG : Obwohl im Laufe von 10 Jahren kein einziger Artikel seitens der NZZ je zurückgewiesen wurde , konnte die Meienberg- Rezension aufgrund eines prinzipiellen Embargos im Blatt nicht erscheinen . Den zuständigen Redakteuren ist diese “Tradition” demnach in keiner Weise anzulasten .

czz – Zweifelsfrei mag man Niklaus Meienberg als Stachel im Fleisch einer im honetten Selbststolz geeinten Schweiz bezeichnen. Allerdings gilt der Satz auch umgekehrt: Das bleierne Schweigen seiner Zeitgenossen zu Verstrickungen des neutralen Landes in Finanz- und Waffengeschäfte mit dem NS- Regime deprimierte den Historiker und hellhörigen Poeten massiv.

Mit fundiert recherchierten Reportagen – sie gelten heute als Meisterstücke des Genres – schrieb der pointierte Publizist gegen die stillen Einverständnisse zwischen heilen “Heidi”-Kulissen an. Dem eisigem Schweigen, das ihm seitens der bürgerlichen Presse entgegenschlug ( und dem berüchtigten Schreibverbot im “Tages-Anzeiger” ), wich der Vielseitige mittels Film und Rundfunkarbeiten aus.

Was der ambitionierte Tonspion Ingo Starz nun aus den Archiven geborgen und kunstvoll zu einem O- Ton Bogen montiert hat, ist ein eminentes Stück Radio- und damit auch Mentalitätsgeschichte der Schweiz. Mit wortgewaltigen Brandreden brachte Meienberg trockene Studio-Situationen zum Leuchten und im fulminanten Vortrag poetischer Wortassoziationen das Saalpublikum zu währschaftem Gelächter.

Wirkungsbewusst hat Starz eines der grossen Dokumente der Radiohistorie an den Schluss der detailgenauen Dokumentation gestellt: Meienbergs Verzweiflungstext über den “Fall der Stadt Srebrenica” infolge der massiven Offensive der Mladic-Truppen 1993 stellt ( zwei Jahre vor dem unermesslichen Massaker ) die Indifferenz des Westens an den Pranger. Wenige Monate später schied Meienberg – dreiundfünfzigjährig – nach eigenem Willen aus dem Leben.

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