Nizami: Die Harfe ihrer Liebe und Qual
czz – Der Stoff ist arabischen Ursprungs und gilt in praktisch allen orientalischen Kulturen als Klassiker; eine um 1180 in persischer Sprache entstandene Version dankt sich dem Dichter Nizami. Das Liebesdrama zweier junger Leute, die einander nicht finden dürfen, fasziniert noch in der deutschen Prosaübersetzung durch ebenso wunderbare wie drastische Bilder. Von der Familie der Geliebten abgewiesen, irrt der Liebende rastlos durch die Wüsteneien und verfällt dem Irrsinn: Ein Madschnun, «ein Wahnsinniger war er geworden und zugleich auch ein Dichter». Die aus der Schweiz stammende Schauspielerin Anne Bennent und der charismatische Akkordeonist Otto Lechner verweben das Epos mit Improvisationen und Kompositionen von «orientalischen» und europäischen Musikern. So programmatisch Bennent und Lechner seit Jahren die Kluft zwischen Orient und Okzident, zwischen Sprache und Musik überbrücken, so souverän hauchen sie den alten Gestalten Feuer ein. Und siehe, es erweist sich, dass die Dichtung mit ihren poetischen Bildern zu verschränken vermag, was die plane Plot-Erzählung unwiderruflich trennt. Zauberhaft tönen jene Passagen, in welchen zarte instrumentale Ornamente die klare Sprechstimme umspielen. Auf diese Weise kommt man der musikalischen Metaphorik des Poems auditiv nahe: Klagt Madschnun, er sei «die Harfe seiner Liebe und Qual», gleicht Leila einer «vor Liebesweh klagenden Schalmei».
- Nizami: Leila und Madschnun, Stimme: Anne Bennent, Musik: Otto Lechner & Ensemble, 2 CD (121 Min.) – Mandelbaum-Verlag 2011
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