Peter Bichsel , transsibirisch

Peter Bichsel , transsibirisch

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NZZ , 7. 1. 2011

czz – Moskau–Wladiwostok und retour: Wenn Peter Bichsel «seine» Transsibirische Eisenbahn besteigt, schnaubt die Lokomotive der Phantasie abfahrtsbereit, um die Fabulierfreude des «grossen Kondukteurs» (Peter Härtling) in Fahrt zu bringen. Wobei sich die wunderlichsten Ziele abseits der bisher bekannten Streckenführung ergeben: von New York über Locarno und Olten.

In seinen «Transsibirischen Geschichten» bewegt sich der Meister der kleinen Form grenzenlos im Verkehrsnetz der Phantasterei, seinem kauzig-hintergründigen Humor Freilauf gewährend. So steht das Reiseziel «Wladiwostok» für überall und nirgends, ist Topos eines Erzählens, das sich selbst als ständig im Werden begreift.

So ist es kein Zufall, dass Peter Bichsel diese Geschichten nicht der Erstarrung im Medium des Druckwerks aussetzt, sondern ausschliesslich dem mündlichen Vortrag vorbehält, wo die Geschichten in grösstmöglicher Kombinatorik und Beweglichkeit glänzen. Entsprechend mag man die auf zwei CD publizierten Lesungsmitschnitte als erste repräsentative Veröffentlichung der «Transsibirischen Geschichten» begreifen.

Gelegenheits- und Anlasstexte, Hommagen und skurrile Porträts sind als Reisegepäck mit an Bord, Begegnungen mit namhaften Fahrgästen wie Klaus Wagenbach («und einem Herrn Kafka») sowie Siegfried Unseld stehen in keinem Kursbuch. Im Tunnel der Angst des Autors vor seinem Lektor klingt die Mahnung zum Weiterschreiben an – als gäbe es in der Transitzone des Erzählens kein Halten.

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