Peter Rühmkorfs poetische Rhythmen

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NZZ , 2. 7. 2010

czz – «Bleib erschütterbar und widersteh»: Die Aufforderung zur Zeitgenossenschaft und zur Bereitschaft, hellhörig anzusingen gegen die lähmende Übermacht des Soseins, war nachgerade poetisches Prinzip des 2008 verstorbenen Dichters.

Intensiv klang dieser Ruf in jenen Programmen an, die Peter Rühmkorf mit den Jazzmusikern Michael Naura und Wolfgang Schlüter in den Sechzigern entwickelte. Zunehmend durchdrangen einander Vortrag und improvisierende Musik bis hin zur produktiven Hereinnahme des jazzigen Touchierens von Genres, Formeln und «moods» in den Prozess der Dichtung.

Spätestens seit Manfred Eichers Veröffentlichung der LP «Kein Apolloprogramm für Lyrik» (1976) bei dem noch jungen Label ECM etablierten sich die «Jazz und Lyrik»-Programme als Werkgruppe in Rühmkorfs Dichtung.

Eine akustische Dokumentation aus drei Jahrzehnten des poetisch-musikalischen Zusammenspiels von herausragenden Jazzern und dem «poète engagé» legt nun in sorgfältiger Edition ein in seiner Präsenz begeisterndes Kapitel Literatur-, Musik- und Geistesgeschichte vor. Gleichsam tänzelnd über die von Piano und Vibrafon angestimmten Motive behauptet sich die dem Singbaren souverän abstinente Stimme. Zwischen Einstimmung und Widerspiel findet Rühmkorfs poetisches Aufbegehren seinen Ort, im Blues das Thema der Vergeblichkeit poetisch-politischen Ansinnens, im Swing die auf Sinnlichkeit dringende Dichtung. Weckrufe, Trinklieder und Lamentationen bespielen die Klaviatur des Pathos mit angemessener Ironie und behaupten sich im lustvollen Jetzt des Ensembles.

Ästhetisch erhellend gibt eine Synopsis von drei Versionen des Gedichtes «Phönix voran!» Auskunft über den musikalischen Möglichkeitsraum der Vertonung.

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