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NZZ , 4. 7. 2008

czz - Ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende und den erschütternden Zeugnissen von Auschwitz- Überlebenden wie Primo Levi schien die Shoah juristisch , literarisch und philosophisch verbucht . Bis in den neunziger Jahren mit der deutschen Übersetzung von Imre Kertész‘ “Roman eines Schicksallosen” und mit der Erstausgabe von Ruth Klügersweiter leben. Eine Jugend” ( 1992 ) zwei Bücher herauskamen , welche die ausgemachten Lehrmeinungen und Denkgewohnheiten fundamental provozierten .

Ruth Klüger , die als 1931 Geborene in ein bereits antisemitisch gestimmtes Wien hineinwuchs , hatte im Alter von dreizehn Jahren nichts Geringeres als die Verschleppungen nach Theresienstadt , Auschwitz und Christianstadt ( einem Aussenlager des KZ Gross- Rosen ) hinter sich . Allerdings blieb der in Regensburg , New York und Berkeley ausgebildeten Germanistin auch in ihrem weiteren Leben als Lehrende zu Princeton , Irvine oder Göttingen das Gefühl , stets den Makel einer displaced person zu tragen : Als “Opfer” eines Jahrhundertverbrechens musste sie nicht nur hinnehmen , ihren Gegenübern allerlei Peinlichkeiten zu bereiten , sondern auch dass Halbbelesene , ja sogar Gebildete die Augenzeugin belehrten , wie es wirklich gewesen sei .

Als Bonus zur Neuauflage dieses wichtigen Werks ist nun die ( 1996 auf Tonkassetten publizierte und längst vergriffene ) Lesung der energisch Einspruch erhebenden Autorin zu vernehmen : und zwar auf einer MP3- CD . Seltsam nur , dass die Koordinaten dieser gewichtigen Integralaufnahme dem Verlag kein Sterbenswörtlein wert sind .

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