Terror und Spiel: Siegfried Unseld und Thomas Bernhard im Briefwechsel

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NZZ . 3. 4. 2009

czz – Etwa 500 Briefe wechselten sie über dreissig Jahre hinweg und blieben einander dabei in wörtlicher Schläue wenig schuldig. Siegfried Unseld wollte den markanten Autor unbedingt halten, wie umgekehrt für Thomas Bernhards maximale Ansprüche nur Suhrkamp in Frage kam. Bis zum Erscheinen von «Frost» (1963) gab sich der Debütant dem prominenten Verleger gegenüber noch manierlich. Als der tief finstere Roman den Durchbruch gebracht hatte, polte Bernhard den Ton seiner postalischen Noten auf abrupte Ton-Wechsel zwischen Lob und aggressiven Forderungen.

Nur der eigenen Logik gehorchend, überzog er Abgabetermine, kündigte Verträge einseitig auf und torpedierte Unseld mit Beschuldigungen der totalen Ignoranz, die dem Verleger kein geringes Mass an Begütigung und Erklärung abnötigten. Zwei Mittel erwiesen sich als probat, den aufsässigen Autor kurzfristig zu beruhigen: Durch persönliche Besuche auf Bernhards Ohlsdorfer Hof vermochte Unseld den Anwurf zu entkräften, Autor und Werk seien blosse Objekte «dilettantischer Geschäftigkeit»: Man wanderte, man sprach, man ass und man trank. Als Königsweg, den tobenden Dichter zu befrieden, erwiesen sich letztlich die nicht unbeträchtlichen Honorare, welche für Bernhard den Wert seines Werks objektivierten.

Es ist bemerkenswert, dass man der akustischen Fassung der Korrespondenz den Vortritt vor der (für Mai angekündigten) Buchausgabe gewährt. Was dabei erheblich befremdet, ist die Besetzung: Dem für seine hysterischen Bernhard-Figuren bekannten Gert Voss wurde paradoxerweise der Part Siegfried Unselds zugewiesen: Im vollmundigen «Harry-Rowohlt-Ton» markiert Voss den sinnesfreudigen Patriarchen. Peter Simonischek, sonst eher im sonoren Fach, gibt die Bernhardschen Erregungen im Diskant des Querulanten. Es fragt sich, ob die Intensität dieser Briefe tatsächlich ein derart akustisches Satyrspiel benötigt.

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