Thomas Bernhards Audio- Autobiographie

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NZZ , 4. 2. 2011

czz – Am 9. Februar wäre Thomas Bernhard 80 Jahre alt geworden. Seine radikale Prosa und seine grotesken Theatertexte faszinieren immer neue Lese-Generationen. Ein Zentralmassiv innerhalb der Bernhardschen «Übertreibungskünste» ist das fünfbändige autobiografische Werk, wobei das «Autobiografische» cum grano salis aufzufassen ist: Bereits die hochartifiziellen Titel verweisen deutlich auf ein Kunstwollen jenseits der Faktenhuberei.

Gleichwohl erschliesst sich der Bernhardsche Kosmos im Perspektiv der Kindheitserinnerungen plausibel: Der Grossvater als tragisch scheiternder Schriftsteller ist In- und Vorbild des «Geistesmenschen». Entsprechend erlebt Bernhard die nationalsozialistische, später erzkatholische Schule als «Geistesvernichtungsanstalt», aus welcher der 15-Jährige flieht, um in der Sozialsiedlung eine Lehre «Im Keller» eines Lebensmittelladens zu absolvieren.

Die Befriedigung, etwas «Nützliches zu tun», findet durch ein Lungenleiden ein jähes Ende. All dies entspricht durchaus den Fakten, ist indes in den Takt kunstvoll gebauter Schachtelsätze gebracht. Die Einzelbände der «Bestandsaufnahme von mir» erzählen aus verschiedenen Blickwinkeln und mit Beginn der Salzburger Schulzeit («Die Ursache»), zu welcher der letzte Band, «Ein Kind», rondoförmig zurückkehrt. Um die Verschiedenheit der Perspektiven zu akzentuieren, wurden für die Lesung der einzelnen Bände fünf charakterstarke Stimmen gewählt. Mit dem instruktiven Einführungs-Essay Hans Höllers im Booklet ist eine vorbildliche Edition zu loben.

  • Thomas Bernhard – Autobiografische Schriften . Ungekürzte Lesung mit Ulrich Matthes, Peter Simonischek, Wolfram Berger, Burghart Klaussner und Gert Voss. 15 CD (1122 Min.) – RB | MDR | SWR | RBB | HR – Der Audio-Verlag 2010

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