“Unendlicher Spass”: Eine Handreichung

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NZZ , 5. 3. 2010

czz – Mit dem Riesenroman “Infinite Jest” katapultierte sich David Foster Wallace (Jahrgang 1962) an die vorderste Front der Debatten, was die “grosse Erzählung” in der Nach- Postmoderne zu leisten vermöge.

Wie sehr der Autor mit seinem penibel protokollierten, sprachschöpferischen und formal originellen Werk auf den Grenzlinien des Erzählbaren balancierte, bewies auch der Umstand, dass Ulrich Blumenbach sechs Jahre an der Übertragung ins Deutsche sass. Als der über 1.500 Seiten umfassende Roman unter dem Titel “Unendlicher Spass” Herbst 2009 erschien, war der Suizid des Autors im Jahr zuvor noch in unmittelbarer Erinnerung.

Komisch und unerträglich, grotesk und grausam wird die Schraube des amerikanischen Traums ins Albtraumhafte weiter gedreht und mündet im Phantasma eines Filmes, dessen Anblick tödlich sei, da er das neuronale Lustzentrum des Betrachters so massiv stimuliere, dass darüber sämtliche vitalen Bedürfnisse versiegten. Der “pursuit of happiness” mündet demnach direkt in Hieronymus Boschs “Garten der Lüste“.

Einige Eindrücke zu Geschichte und Textur dieses monströsen Buches vermittelt ein akustischer Mitschnitt der Präsentation im Kölner Schauspielhaus. Prominente Interpreten wie Maria Schrader, Manfred Zapatka und Harald Schmidt verlesen einige (eher harmlose) Textpassagen.

Als aufschlussreichste Programmpunkte weisen die Auskünfte des Übersetzers Ulrich Blumenbach weit über die PR- Veranstaltung hinaus: hier werden dem realen Leser einige praktikable “Handgriffe” zum Manövrieren der ungeheuerlichen Textmassen geschenkt.

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