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NZZ, 6. 7. 2007
czz – Der Briefwechsel, welchen Theodor W. Adorno und Walter Benjamin ab 1934 unterhielten, ist als Zeugnis so bedeutend wie vieldeutig. Ko- Respondenz im Wortsinn, beantworten hier einander zwei akademische Aussenseiter auf der Suche nach Fundament und Signatur der Moderne.
Die Parallelen von «zwei Intellektuellen, die am selben Knochen nagen» (Adorno) brechen sich an den lebensweltlichen Differenzen: hier Benjamin, mittellos, im Pariser Exil, geistig indes beheimatet im Jahrhundert-Projekt der «Passagen»; dort der elf Jahre jüngere Adorno, finanziell und institutionell eingebunden, sich verzehrend in ehrgeizigem Willen zu Werk und Wirkung.
Die mehrfache Verschränkung der Interessen lädt den Wortwechsel mit einer Dynamik auf, welche weit über das rein Private oder Philosophische hinaus weist. Aus dieser inneren Elektrizität schlägt eine mutige akustische Annäherung nun Funken und Feuer: Die sorgfältig gewählten Briefe markieren Meilensteine einer Beziehung des Werbens und Begehrens, Gewährens und Zurückweichens.
Mit Hanns Zischler, der die Adorno-Parts männlich drängend gibt und Martin Wuttkes weich leisem Benjamin wurden zwei fähige Sprecher gefunden, die halsbrecherische Syntax beider Schreiber zu meistern. Harald Krewers resolute Regie bewahrt den Wortwechsel glücklich vor den Untiefen persönlicher Einfühlung, gleichzeitig aber auch vor abstraktem Abheben.
Durch den Kunstgriff, mit dem Herausgebers der Briefe Henri Lonitz einen sehr lebendigen und kundigen Kommentator zwischen die Papiersätze zu platzieren, erhält das Geschriebene und Gesagte Welthaltigkeit und Erdung. Selten treffen handwerkliches und konzeptuelles Können so glücklich zusammen wie in dieser Produktion – einem bemerkenswerten Plädoyer für die Möglichkeit eines richtigen Denkens im falschen.
- Theodor W. Adorno | Walter Benjamin: Briefwechsel, gelesen von Martin Wuttke u. Hanns Zischler, kommentiert von Henri Lonitz, 3 CDs ( 180 Min.) , speak low 2007
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