NZZ, Phono, 22. 9. 2004
czz - Horch, wie tönt’s aus dem Chanel-Kostüm? Wes’ böse Töne tröpfeln unter dem Pill-box-Hütchen hervor? - Diesmal ist es Jackie Kennedy, die von Elfriede Jelineks rigidem Sprachwalten daran gehindert wird, das sogenannt Zeitliche zu segnen. Als rastlos redende Untote figuriert die Sixties-Ikone in dem Bühnenemonolog «Jackie», der vom Bayerischen Rundfunk radiophon realisiert wurde und prompt die höchstmögliche Auszeichnung des Genres, den Hörspielpreis der Kriegsblinden, erhielt. Lebt die einstige «Königin von Amerika», die Bilderbuchmutter und das Modeidol auf Illustriertenbildern und im kollektiven Mythos weiter, nimmt Jelinek die ikonische Unsterblichkeit wörtlich, indem sie die aparten Hülsen so furios mit Sprache stopft, dass diese – wie überfüllte Würstchen im heissen Wasser – platzen. Die Kommentare zu Attentat, Prominentenrolle und Rivalinnen, die aus dem Modellkleidmannequin quellen, geraten zu einer wilden Sprachfarce, für welche mit Marion Breckwoldt eine kongeniale Stimmvirtuosin gefunden wurde. Rechtens vertraut Karl Bruckmaiers Regie auf Breckwoldts Stimmkraft und akzentuiert die fliegenden Registerwechsel zwischen unterkühlter Zynik, atemstarker Rage und fasriger Resignation durch eine ausgeklügelt choreographierte Mikrophonierung. Nur schade, dass man uns den – bei der Radioausstrahlung als Einleitung vorangestellten – Bob Dylan-Song «Leopard-skin-pill-box hat» auf der CD-Version vorenthält.
Elfriede Jelinek: Jackie. Hörspiel, 1 CD (51 Min.). BR / intermedium / strunz! enterprises 2004.















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