NZZ , Phono, 17. 12. 2003

czz - «Ist es eine Komödie? Ist es eine Tragödie?» Keine Sprachkünstlerin schlägt aus Thomas Bernhards poetologischer Formel so sprühende Funken wie Elfriede Jelinek. Schöpfen ihre literarischen Verausgabungen prima vista ins Volle gemein platzender Phrasen und Flimmerbilder, schont Jelinek dabei allerdings auch nie die eigene Substanz. So fräst ihr Roman «Die Klavierspielerin» (1983) ebenso im autobiografischen Humus der musikalischen Bürgertochter wie er die Kulturfauna Wiens durchpflügt. Hat sich das Schicksal der frigiden Piano-Professorin Erika Kohut seit Michael Hanekes Filmfassung mit dem autistischen Habitus der Hauptdarstellerin Isabelle Huppert überblendet, gibt eine distinkte Stimm-Findung nun ambivalentere Brillanzen des Romans wieder. Mit der aus Olten stammenden Burgschauspielerin Therese Affolter ist eine erfahren kongeniale Jelinek-Interpretin am Wort. Wie die Rasierklinge, welche «die Kohut» lustlosen Händchens gegen sich selber führt, funkelt Affolters metallische Stimme zweischneidig: Die trübe Tragik des bemutterten Lebens im grellen Kampf mit dem Klavierschülergeschlecht hindert nicht die dem Roman eingeschriebene Hochkomik. Oder eben umgekehrt.

Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin. Gelesen von Therese Affolter. 3 CD (225 Min.), Preiser Records 2003.

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