NZZ , 8. 6. 2005
czz - Mit seinem polyphon- polymorphen Roman “Gebürtig” ( 1992 ) hat Robert Schindel nicht nur einen Longseller geschrieben , sondern auch einen der ersten Grosserzählungen deutscher Sprache , welche die Gelehrten als “postmodern” titulieren . Indes resultiert die Ironie , die selbst dem Tragischen ( der Shoah ) sowie deren Überlebenden und Nachgeborenen die Gnade des Pathos verweigert , eher aus der Wiener Spielart des jüdischen Witzes denn von einem abstrakten Begriff . Höchst konkret führt Schindel die Täteropfer und Opfertäter verschiedener Generationen im Plissee der Stadtpläne von Wien , Hamburg und New York zusammen und beschleunigt vermittels wohldosierter Groteske die Wiederkehr des Verdrängten.
Jetzt , wo der Roman in einer - eigens für die schwersichtige Mutter eingespielten - vollständigen Lesung als Hörbuch vorliegt , ist ein hinterhältig- amüsantes Meisterstück akustisch zu entdecken , das Nachfolgern wie Eva Menasses “Vienna” nicht nur im Hinblick auf die Entstehung , sondern vor allem in der Sprachmacht weit voraus ist . Denn : Robert Schindel bleibt auch im Roman rhythmisch und wortschöpferisch der suggestive Dichter , den man aus Lyrikbänden kennt . Sein notorisches Genie der Performance - sowie das charakteristische Lispeln - geben dem Text einen mitreissenden Drive , welcher im Genre des Prosavortrags seinesgleichen sucht . Ein Werk von Klang und Belang , dessen poetischer Rhythm and Blues für die schlampige Tontechnik entschädigt .
- Robert Schindel : Gebürtig . Autorenlesung. 9 CDs ( 590 Min. ) - Skarabäus 2005 |||















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